Für diesen potenziellen Weltruhm darf man den Hussiten dankbar sein, die im Jahr 1420 eine Burganlage auf dem Berg Tábor als ihr Machtzentrum gegründet hatten. Hier erwarteten sie nämlich die Wiederkunft des Erlösers, und zwar in einer Zeit, als sich die mittelalterliche Christenwelt in einer tiefen Krise befand.
Das Hussitentum - die aus der Lehre des Kirchenreformators Magister Jan Hus stammende Bewegung - war eine der empfindlichsten Perioden der europäischen Geschichte, die durch die Bemühung gekennzeichnet war, nicht nur das Christentum sondern auch die Gesellschaftsordnung im Einklang mit den christlich-ethischen Werten zu reformieren.
In die früher verlassene Přemyslidenstadt begann daraufhin wieder Leben einzukehren. Nach Tábor kamen damals viele radikal denkende Hussitenanhänger, um von den Gedanken der Gleicheit aller Menschen, des gemeinsamen Besitzes oder sogar der Nutzlosigkeit materiellen Eigentums zu hören. Solche Ideale entfernten sich jedoch bald wie nicht anders zu erwarten von der Alltagsrealität. Ihre Bekenner wurden aus der Táborer Gemeinde zumeist vertrieben und zuletzt in einem Bruderkrieg aufgerieben. Gegen Ende der Hussitenkriege zählte die Stadt über 600 Häuser mit etwa 3 000 Einwohnern. Außerdem stand Tábor an der Spitze eines mächtigen, in der Größe schwankenden Bunds von Städten und Festungen, der außer Südwestböhmen auch einige Gebiete Mährens und Schlesiens beherrschte. Die Schlacht bei Lipany im Jahr 1434 versetzte der „Táborer Republik" den ersten Schlag. Die Stadt versöhnte sich mit ihrem Todfeind Sigismund, den sie als König anerkannte. Dafür erhielt sie 1437 vom Herrscher eine Urkunde, in der die Gemeinde zur Königsstadt mit allen Rechten und Privilegien nach dem Muster der Prager Altstadt erklärt wurde. Im Laufe der 40er Jahre des 15. Jahrhunderts kam es zuletzt zum endgültigen Zerfall des Táborer städtischen Bunds.

