Domažlice

Die Stadt schloss sich während der Hussitenzeit den Táboriten an. In ihrer Nähe besiegten die Hussiten 1431 den 5. Kreuzzug.

Die Stadt schloss sich von Anfang an an die Lehre von Jan Hus an und wurde Mitglied eines hussitischen städtischen Bundes. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand die Stadt im August 1431, als sie die Armee des 5. Kreuzzugs belagerte. Diese letzte große militärische Aktion gegen die Hussiten wurde durch die vom Feldherrn Prokop dem Großen geführte hussitische Armee zunichte gemacht. Die Folge der Schlacht waren die Verhandlungen mit Hussiten auf dem Konzil in Basel.

In Domazlice lebt bis heute die Sage über den Hut fort, den der Kardinal Julius Cesarini verlieren sollte. Bis heute wird die kleine in der Erzdekankirche hängende Glocke genutzt, die angeblich die Hussiten aus einer ihrer "herrlichen Reisen" aus Bayern bringen sollten.

 

Feierlichkeiten und Veranstaltungen

Bereits 1364 - 1365 breiteten sich in der Gegend von Domažlice die Ideen von reformorientierten Priestern, u.a. auch von Jan Milic von Kromeriz. Unter ihrem Einfluss begannen die Bewohner den Kirchenbesitz zu beschlagnahmen und versammelten sich gemeinsam mit den Leuten aus der Gegend in den Bergen. Der Feldheer Jan Zizka war sich der strategischen Wichtigkeit der westböhmischen Lokalitäten bewußt. Deshalb eroberte er hier einige Festungen und Klöster. 1421 sind Städte Domažlice, Klatovy, Sušice und Horaždovice Mitglieder des Hussitischen städtischen Bundes geworden, womit die Hussiten ihre Macht in der Gegend vergrößerten.

Kreuzritter im Westböhmen

Der größte Militärerfolg der Stadt und des Bundes kam 1431. In diesem Jahr sollten an der Landesgrenze zwei Armeen aneinandergeraten und über das Schicksal der Hussitischen Reformation entscheiden: die mehr als hunderttausend Ritter zählende Kreuzzugsarmee und das hussitische Heer mit wahrscheinlich 50.000 Infanteristen und 3.000 Wagen.

Nachdem die riesige Kreuzugsarmee Tachov nicht erobern konnte, wendete sie sich nach Süden Richtung Domažlice. Bei ständigem Plündern und Mordern der dörflichen Bevölkerung erreichte die Armee am 10. August die Stadt, belagerte diese und begann mit dem vernichtenden Beschießen. Die Situation schien aussichtslos zu sein. Deshalb fing der Hauptmann Jan Ritka aus Bezdědice an, über das Ergeben der Stadt zu verhandeln. Die undisziplinierten Kreuzritter schöpften nach der Erfahrung bei Tachov Verdacht, dass sie wieder keine Beute in der Stadt machen werden. Und deshalb erneuerten sie, trotz den Verhandlungen, das Beschießen. Damit wurde die Stadt aber gerettet. Im entstandenen Durcheinander unter den Kreuzrittern gelag es nämlich der Stadt, einen Eilboten zu der hussitischen Armee zu schicken. Ihr Feldheer Prokop Holý machte sich mit der Armee sofort auf den Weg, um der Stadt zu helfen. Die Hussiten erschienen bei der Stadt bereits am 14. August.

Die Schlacht bei Domažlice

Als Friedrich aus Brandenburg auf den Vormarsch der Hussiten aufmerksam gemacht wurde, entschied er, sein Heer auf dem Feld zwischen Domažlice und der Burg Rýzmberk zu sammeln. Hier standen auch die Wagen, auf denen die italienischen Söldner aus der Garde vom Kardinal waren. Diese sollten nach vorne zur Straße vorrücken. Das sah in den Augen von dem uninformierten Kardinal Cesarini und dem Kurfürsten Friedrich wie die Flucht. Der schnelle Fortgang der Hussiten, die ihren Choral sangen, trug in die unorganisierten Truppen Chaos. Die Truppen fangen an, massenweise panikartig aus dem Feld zur Grenze zu flüchten. Das hussitische Heer stoß auf die zerstreute Verteidigung und begann sowohl die flüchtenden Kreuzritter, als auch die Kardinalstruppe zu verfolgen. Der Kardinal Cesarini verlor während der Flucht sein Kreuz, die goldene Bulle, den Hut, das Gewand und andere Sachen, die lange Zeit in Domazlice aufbewahrt waren.

Der verlorene Hut

Er wurde zum Symbol des größten hussitischen Sieges. Die Schlacht wurde nicht vergessen. Im 18. Jahrhundert enthüllte man z. B. in der Nähe vom Dorf Kout im Böhmerwald das Denkmal, welches an den verlorenen Kardinals Hut erinnert, die Träger der nationalen Wiedergeburt strebten im 19. Jh, die Schlacht als Sieg der Tschechen über die Deutschen darzustellen. 1931 bemühte man sich, zum 500. Jahrestag ein Denkmal zu enthüllen, dies verhinderte der zweite Weltkrieg. In der Zeit des Kommunismus wurde die Schlacht beihnahe als revolutionärer Streit zwischen dem Westen und Osten angesehen. In der Gegenwart verstehen die Bürger aus Domažlice die Bedeutung der Schlacht nicht als Kampf zwischen zwei feindlichen Lagern. Das Denkmal auf dem Berg Baldov wurde errichtet, dieses Mal aber aus turistischen Gründen.

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