Naumburg

Die Geschichte des Festes und der Hussiten geht auf eine Sage zurück.

Naumburg an der Saale ist seit Jahrhunderten untrennbar mit dem „Hussiten-Kirschfest" verbunden. Und wieder: wo die Quellen schweigen, spricht die Sage: So sollen 1432 die Hussiten auf der berühmten Vogelwiese gelagert und die Stadt bedroht haben. Als die Situation gefährlich wurde, kam „der Lehrer von der Schul" auf die Idee, die unschuldigen Kinder in weißen Büßerhemden in das hussitische Heerlager zu schicken und Feldherrn Prokop den Großen um Gnade zu bitten. Dieser soll tief gewesen sein und den Rückzug befehlen.

Und weil gerade Kirschenzeit war, schenkte er angeblich den Kindern Kirschen. Und Naumburg steht jedes Jahr Kopf mit seinem großartigen „Hussiten-Kirschfest".

Feierlichkeiten und Veranstaltungen

Fest

Diese Sage bildet heute den traditionellen Kern eines Volksfestes, des Naumburger Hussiten-Kirschfestes, am letzten Wochenende im Juni, dem mit einer szenischen Darstellung der Ereignisse gedacht wird. Ein großer historischer Festumzug stellt Aspekte des Naumburger Lebens in Historie und Gegenwart dar.

Das zum Fest vor der historischen Stadtmauer am Wenzelsring aufgebaute Hussiten-Lager gibt dem Besucher mit seinen künstlerischen Vorführungen, handwerklichen Demonstrationen und Schaukampf-Darbietungen die Möglichkeit, in die alte Zeit der streitbaren Hussiten einzutauchen.

Zum modernen Fest gehören 15 von Vereinen bewirtschaftete Festzelte auf der Vogelwiese, ein Weindörfchen, in welchem edler Saale-Unstrut-Wein ausgeschenkt wird, die Peter-Pauls-Messe am Festsonntag mit traditionellem und modernem Handwerk und viele weitere Attraktionen.

Auch heute noch werden die Kinder im Festgeschehen bedacht: Ihnen ist der Freitag gewidmet. Alle Kindergarten- und Grundschulkinder lassen Luftballons steigen. Auf der Vogelwiese und im Hussiten-Lager warten zahlreiche Mitmach-Angebote auf sie.

Das älteste Zeugnis des Festes

Das ist eine Ratsrechnung von 1526, die Ausgaben für Kirschen für ein Schulfest aufzeichnet. Erstmals ca. 1685 wird von Caspar Eulenberger die Geschichte von der Errettung Naumburgs durch die Kinder erzählt - also rund 250 Jahre nach dem sagenhaften Ereignis. Von da an wird das Kirschfest stets unter dem Hussiten-Motto gefeiert. Volkstümlich wurde die Sage aber erst mit dem Wirken des Lehrers Georg Rauh, der 1782 eine Flugschrift mit der Sage herausbrachte. Rauh datierte die Belagerung vermutlich deshalb auf 1432, um für seine Schrift ein besonderes Jubiläum reklamieren zu können: 350 Jahre nach der Belagerung.

Heute kennen alle Naumburger die Sage aus dem Kirschfestlied, das 1832, also nochmals 50 Jahre später, vom Referendar Carl-Friedrich Seyferth geschrieben wurde.

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